Roiten - einst

"Roiten, das sich mit der Errichtung des Dorfmuseums ein neues Zentrum der Begegnung geschaffen hat und damit richtungsweisend für die ganze Region wurde, ...." Zitat aus dem Vorwort der Festschrift anlässlich der Segnung der renovierten Ortskapelle Roiten 1994 von OSR Karl Zeisler

Doch die Geschichte begann sehr viel früher!

Roiten wurde erstmals im Jahr 1197 erwähnt, als Hadmar II. von Kuenring dem Spital des Zisterzienserklosters Zwettl einen Hof, sechs Lehen und eine Mühle in Roikenruth schenkte. Die Schreibweise dieser ersten urkundlichen Nennung ging laut etymologischer Deutung aus einer Verbindung zwischen dem slawischen Personennamen "Rojko" an erster Stelle und dem daran angehängtem deutschem Grundwort "reith" mit der Bedeutung "Rodung" hervor. Doch schon binnen dreier Generationen ging der zweite Namensteil verloren und im Personennamen kam es zu einem Kosonantenwechsel von "kn" zu "tn", da bereits im Jahr 1280 die heutige Namesform "Roiten" nachweisbar ist.

Der Name des aus der Rodung des Rojko entstandenen Dorfes Roiten lässt also aus linguistischer Sicht auf eine Erstbesiedlung unter Beteiligung von Slawen schließen. Wann genau und unter welchem Auftrag diese erfolgte, lässt sich aus historischen Quellen ebenso wenig eruieren wie die Rolle der Kuenringer, das deren Hand der Ort Roiten oder zumindest ein Gutteil davon 1197 an das Stift Zwettl gelangte.

Gemäß dem ältesten Urbar des Klosters Zwettl von 1280 waren in Roiten als Abgaben von zwei Höfen ein Wagen für den Weintransport, ein Pflug zum Ackern, darüber hinaus die Dienste von 4 Hofstätten und einer Mühle vorgesehen. Im Zwettler Urbar des Jahres 1311 scheinen unter Roiten bereits zwei Höfe, vier Hofstätten, zwei kleine Höfe und ein Mühle auf, die zusammen einen Wagen zum Weinführen, zweieinhalb Pflüge, dazu zwei Pfund und 73 Pfennig sowie 95 Stück Käse und acht Metzen Mohn und neun Hühner an das Stift leisten mussten. Aus wirtschaftsgeschichtlicher Perspektive ist dabei interessant, dass Roiten zu dieser Zeit offensichtlich auf die Produktion von Käse und Mohn spezialisiert war!

Im Urbar des Klosters Zwettl von 1457 sind in Roiten zwei Höfe, eine Mühle und sechs verödete Hofstätten ausgewiesen. Die trockene Aufzählung dieses Abgabenverzeichnisses lässt große wirtschaftliche Schwierigkeiten in Roiten erahnen, deren genaue Ursache aber im Dunklen bleibt.

Gemäß dem Bereitungsbuch von 1590/1591 hatte Roiten insgesamt 19 Häuser, wovon zehn zur Herrschaft Loschberg, vier dem Kloster Zwettl, drei der Herrschaft Rappottenstein und je ein Haus zur Propstei Zwettl und der Herrschaft Ottenstein gehörten.

Ein Aquarell auf Pergament aus dem Jahr 1705  ist die älteste bildliche Darstellung von Roiten und zeichnet sich durch einen erstaunlichen Detailreichtum aus.

1731 wurde in Roiten ein Kreuzstöckl errichtet. bis 1783 gehörte Roiten zur Pfarre Marbach am Walde. In diesem Jahr wurde Roiten gemeinsam mit Höhendorf aus der Pfarre Marbach gelöst und in die Pfarre Rappottenstein eingepfarrt.

Laut dem Topographischen Landschematismus von 1795 gab es in Roiten 25 Häuser, die nächste Poststation lag in Zwettl, die zuständigen Landgerichte waren Loschberg und das Magistrat Zwettl, das Ortsgericht übte die Herrschaft Loschberg aus.

Im Jahr 1796 erreichte Roiten die Einwohnerzahl von 173, im Ort gab es darüber hinaus neben Mühle und Sägewerk eine Ölstampfe sowie einen Hufschmied.

1822 hatte Roiten immer noch die selbe Häuserzahl wie 1796 aufzuweisen, die Schule befand sich in Rappottenstein.  

Im "Französischen Kataster" von 1824 sind in Roiten 29 Privathäuser sowie eine Kapelle, ein Gemeindehaus (Nr. 9) und eine Schule (Nr. 29) verzeichnet. Die Schule in Roiten wurde eingerichtet, da der Schulbesuch in Rappottenstein der großen Entfernung wegen zu beschwerlich war. Um 1824 errichtete der Zwettler Dechant Schmid eine Notschule, die nur von den Kindern aus Roiten besucht wurde. Im Jahr 1858 wurde die ohnehin baufällige Schule wieder aufgelassen. Die Roitner Kinder wurden fortan wieder in Rappottenstein eingeschult. Erst im Jahr 1902 wurde in Roiten neuerlich eine Schule erbaut.

Anlässlich einer befürchtetem Pestepidemie wurde 1831 auch in Roiten ein eigener Friedhof angelegt, wovon der Flurname "Freidhöfl" zeugt.

1834 gab es in Roiten 33 Häuser, 44 Familien und 225 Einwohner, darunter einen Hufschmied und einen Schneider.

1841 waren es ebenfalls 33 Häuser, worin 44 Familien lebten. Diese setzten sich aus 87 Männern und 108 Frauen zusammen, worunter sich 30 Schulkinder befanden. Der Viehbestand belief sich auf 74 Ochsen, 52 Kühe, 23 Schafe, 6 Ziegen und 109 Schweine.

Als Folge der Auflösung der Grundherrschaft im Jahr 1848 wurde im Jahr 1850 die Ortsgemeinde Roiten gebildet, die aus Roiten, Höhendorf und Dietharts mit der Diethartsmühle bestand und eine Fläche von 8,18 km² umfasste.

1898 hatte Roiten schon 37 Häuser.

Kurz vor dem Ende der Monarchie (Stand 1908) gab es in Roiten einen Gemischtwarenhändler (Karl Heindl), einen Marktlieferanten (Method Zaharovsky), einen Mühlen- und Sägewerksbetrieb ( Franz Weiß), eine Schmiede (Johann Haag), einen Schuhmacher (Johann Krammer), einen Tischler (Karl Gruber), einen Viehhändler (Eduard Meierhofer), zwei Viktualienhändler (Johanna Krammer und Franziska Zaharovxky) und einen Wirt (Josef Krenn).

Die  Volkszählung von 1923 registirierte in der Gemeinde Roiten 288 Einwohner, 59 Häuser, davon zwei unbewohnt und 65 Wohnungen. Der Stand der Nutztiere betrug in der Gemeinde Roiten 1919 elf Pferde, 279 Rinder, 67 Schafe, 45 Ziegen und 97 Schweine.

1930 gab es in der Gemeinde Roiten 51 landwirtschaftliche und acht gewerbliche Betriebe.

In der Zwischenkriegszeit wurde Roiten von mehreren Brandkatastrophen heimgesucht, dies führte im Jahr 1933 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Volkszählung 1940 wies in der Gemeinde Roiten 62 Haushalte mit 276 Einwohnern aus.
Im Kriegsjahr 1941 betrug der Viehbestand in Roiten sechs Pferde, 369 Rinder, davon 109 milchgebende Kühe, 25 Schafe, 234 Schweine, 59 Ziegen, 935 Hühner und 28 Bienenstöcke. Im Vergleich zu 1919 fällt dabei besonders die Vermehrung bei Rinder- und Schweinezahl auf.

Mit Schulschluss 1941 wurde die Schule in Roiten wegen Lehrermangel vorübergehend geschlossen.
Erneut wurden die Glocken zu Kriegszwecken vom Kapellenturm geholt. Als Erstzgeläute musste ein Eisenkessel herhalten, auf den man bei Bedarf mit einem Hammer schlug.

Das Kriegsende selbst verlief für Roiten einigermaßen glimpflich, es fanden keine Kampfhandlungen statt. Die letzten in der Nähe befindlichen Soldaten der Wehrmacht zogen Richtung Rappottenstein ab, die ersten Angehörigen der Roten Armee kamen erst am 12. Mai 1945 aus Richtung Grafenschlag nach Roiten, blieben allerdings nicht lange und auch nachkommende Truppenteile hielten sich nur kurze Zeit im Ort auf.
Es gab unmittelbar nach dem Krieg in Roiten keine Selbstmorde, Seuchen oder Brände. Sehr wohl kam es aber zu Schäden am Privateigentum infolge von Diebstählen beziehungsweise "Requirierungen" durch Angehörige der sowjetischen Besatzungsmacht, aber kein Bewohner war dadurch in seiner Existenz bedroht.

Am 11. März 1947 kamen die Häuser Nr. 1, 2, 33 und 40 164 Jahre nach der übrigen Ortschaft zur Pfaffe Rappottenstein. Am 26. September 1948 wurden zwei Glocken für die Roitener Kapelle geweiht.

Im Jahr 1949 wurde Roiten an das Stromnetz angeschlossen.

1950 hatte die Gemeinde Roiten 255 Einwohner, in Roiten selbst gab es eine Gastwirtschaft (Karl König), einen Gemischtwarenhandel (Johann Bauer), ein Sägewerk (Johann Kozak), eine Schmiede (Johann Haag), eine Tabaktrafik (Karl Heindl) und eine Zementwarenerzeugung (Anton Jank).

Im Vergleich dazu gibt das Adressbuch von 1966 277 Einwohner in der Gemeinde Roiten an, die Tabaktrafik gab es nicht mehr, dafür kamen ein Holzhandel sowie ein Holzwolle- und Zementwarenerzeugungsbetrieb des Anton Fragner hinzu.

Die letzten zehn Jahre der selbständigen Gemeinde Roiten von 1961 bis 1970 waren für deren Zukunft ausschlaggebend. In dieser Zeit hatte die mit einer angespannten Finanzlage kämpfende Kleingemeinde Roiten viele außerordentliche Ausgaben zu bewerkstelligen. Ende 1964 wurde die Gemeine Roiten von der landesweit in Niederösterreich geführten Debatte über Gemeindefusionierungen eingeholt. Diese Angelegenheit entwickelte sich in Roiten zu einem emotional diskutiertem Dauerthema.
Der Erlass der niederösterreichischen Landesregierung vom 17. Dezember 1964 wurde schon am 10. Jönner 1965 im Roitener Gemeinderat diskutiert. Als Ergebnis wurde der Beschluss gefasst, die Selbstständigkeit der Ortsgemeinde Roiten so lange wie möglich zu wahren. Bei der am 1. Jänner 1967 erfolgten Vereinigung der Gemeinden Rappottenstein, Pehendorf und Pfaffendorf blieb das ursprünglich ebenfalls dafür vorgesehene Roiten aber vorerst noch fern. Am 19. August 1967 verweigerte der Gemeinderat von Roiten auf Grund der zu großen Distanz den Anschluss an die Gemeinden Marbach am Walde und Jahrings.

Schlussendlich fügte sich jedoch auch Roiten in das Unvermeidliche. Am 29. August 1970 wurde in Roiten der einstimmige Beschluss zur Zusammenlegung gefasst. Die letzte Gemeinderatssitzung der selbstständigen Gemeinde Roiten fand am 19. Dezember 1970 statt.

Mit Schulbeginn 1972/73 wurde die Volksschule in Roiten geschlossen. Das Roitner Schulgebäude wurde am 5. April 1974 entwidmet und verkauft.

Gemäß dem Adressbuch von 1976 gab es in Roiten keine Zementwarenerzeugung mehr, die Inhaberschaft des Holzhandels sowie der Holzwolleerzeugung war auf Marianne Fragner, die des Sägewerks auf Willibald Ertl übergegangen. Johann Haag führte in seiner Schmiede nun auch eine Schlosserei.

Nach dem Adressbuch von 1986 war in Roiten die Gemischtwarenhandlung mittlerweile geschlossen, dafür jedoch von Hermann Neulinger ein Tischlereibetrieb eröffnet worden. Die Holzwolleerzeugung lag mittlerweile in den Händen von Eva Haider, die Schlosserei und Schmiede war auf Hubert Haag übergegangen, die Gaststätte wurde von Johann König geführt. 1987 gesellte sich in Roiten mit dem Unternehmen von Gerhard Waldbauer noch eine weitere Tischlerei hinzu.

Text: Auszüge aus dem Buch Rappottenstein - Die Geschichte handelt von uns
© 2015 Marktgemeinde Rappottenstein, 3911 Rappottenstein, Herausgeber: Mag. Josef Prinz

Unser Dank gilt der Marktgemeinde Rappottenstein für die Freigabe dieser Texte für die Verwendung auf unserer Website.

Zurück